Hier eine umfangreiche Liste österreichischer Jazzmusiker, geordnet nach Generationen und Instrumenten, von den Pionieren bis zur Gegenwart. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, nennt aber die wichtigsten und einflussreichsten Persönlichkeiten.
Pioniere & Gründerväter (ab 1940/50er Jahre)**
Diese Musiker legten den Grundstein für die österreichische Jazzszene nach dem Krieg.
* **Karl "Bumi" Fian** (Gitarrist) – Eine absolute Legende, Gründer des "Wiener Hot Club".
* **Hans Salomon** (Saxophonist, Klarinettist) – Pionier des Modern Jazz, spielte mit Fatty George.
* **Fatty George** (eig. Franz Georg Pressler) (Altsaxophonist, Klarinettist) – Schlüsselfigur, machte modernen Jazz (Bebop) populär.
* **Joe Zawinul** (Pianist, Keyboarder, Komponist) – Weltstar, begann in Wien bei Fatty George, später Mitbegründer von **Weather Report** und Schöpfer von "Birdland".
* **Rudolf Hansen** (Bassist) – Einer der ersten modernen Jazz-Bassisten Österreichs.
* **Ötschi Auer** (Schlagzeuger) – Sehr gefragter Schlagzeuger der frühen Szene.
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Die "Klassische Moderne" & Hardbop-Ära (ab 1960/70er Jahre)**
Diese Generation prägte den Jazz in Österreich für Jahrzehnte und etablierte einen eigenständigen Sound.
* **Eric Kleinschuster** (Posaunist, Bandleader) – **Eine absolute Schlüsselfigur.** Gründer der ORF-Bigband, bedeutender Bandleader und Pädagoge.
* **Hans Koller** (Saxophonist) – Wichtiger Pionier des Free Jazz und der improvisierten Musik.
* **Friedrich Gulda** (Pianist) – Der klassische Weltstar, der sich leidenschaftlich dem Jazz widmete und die Grenzen zwischen den Genres einriss.
* **Mathias Rüegg** (Pianist, Komponist, Bandleader) – Gründer und Mastermind des **Vienna Art Orchestra**, einer der kreativsten Köpfe des europäischen Jazz.
* **Wolfgang Puschnig** (Altsaxophonist) – Langjähriger Solist des Vienna Art Orchestra, auch in vielen anderen Projekten (z.B. **NEW YORK WINDOWS**).
* **Harry Pepl** (Gitarrist) – Innovativer Gitarrist, der früh Weltmusik-Elemente einfließen ließ.
* **Adi Weiss** (Trompeter) – Stilprägender Trompeter und langjähriges Mitglied des Vienna Art Orchestra.
* **Heinz von Hermann** (Saxophonist) – Einflussreicher Saxophonist und Komponist.
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Die Avantgarde & "Wiener Klangschule" (ab 1980/90er Jahre)**
Diese Musiker entwickelten den unverwechselbaren, klangfokussierten und oft intellektuellen "Wiener Sound".
* **Franz Koglmann** (Trompeter, Flügelhornist, Komponist) – Hochintellektueller Stilist zwischen Jazz, Zweiter Wiener Schule und Chanson.
* **Wolfgang Muthspiel** (Gitarrist, Komponist) – International erfolgreich, bekannt für seinen lyrischen, klaren Sound auf akustischer und elektrischer Gitarre.
* **Christian Muthspiel** (Posaunist, Komponist) – Bruder von Wolfgang, verbindet Jazz mit Neuer Musik und Elektronik.
* **Lea Petra** (Sängerin) – Einzigartige, ausdrucksstarke Stimme im Spannungsfeld von Jazz, Chanson und Avantgarde.
* **Boris Petrowitsch** (Saxophonist) – Wichtige Figur in der experimentellen Szene.
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Etablierte Meister & Stilbildner der Gegenwart (ab 1990/2000er)**
Diese Musiker sind die heutige Generation von Weltformat, die die Szene international vertreten.
* **Georg Breinschmid** (Bassist, Komponist) – Virtuose, der Jazz mit Wiener Schrammelmusik und Humor auf geniale Weise verbindet.
* **Clemens Wenger** (Pianist, Komponist) – Filigraner und cineastischer Komponist (Projekt **AVÁ**, Trio).
* **Shiraz** (Trio um Clemens Salesny, Saxophon) – Führende Akustik-Jazzformation mit kraftvollem, melodischem Sound.
* **Berndt Luef** (Klarinettist, Saxophonist) – Bekannt für seine humorvollen und virtuosen Duos mit Rudi Mahall.
* **Peter Herbert** (Bassist) – International gefragter Bassist mit unverwechselbarem Sound.
* **Oliver Steger** (Pianist, Komponist) – Vielseitiger Pianist und Komponist mit eigenem Trio.
* **Mario Rom** (Trompeter) – Energiegeladener Trompeter und Bandleader der Gruppe **TRIGGER**.
* **Lukas Kranzelbinder** (Bassist, Komponist) – Junger, vielseitiger Musiker mit Projekten wie **SHIRLEY HAZZARD** und **LUKAS KUBI**.
* **David Helbock** (Pianist, Komponist) – Extrem kreativer und virtuoser Pianist mit unkonventionellen Projekten (z.B. **David Helbock's Random/Control**).
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Weitere wichtige und einflussreiche Namen (alphabetisch nach Instrument)**
**Saxophon:**
* Klaus Dickbauer
* Herbert Joos
* Robert Bachner
* Karlheinz Miklin („Miki“)
**Posaune:**
* Robert Politzer
* Christian Radovan
**Gitarre:**
* Martin Spitzer
* Peter O'Mara (in Österreich aufgewachsen)
* Gernot Krasenbauer
**Piano/Keyboard:**
* Joe Zawinul (siehe Pioniere)
* David Helbock (siehe oben)
* Otmar Binder
**Bass:**
* Johannes Bär
* Werner Feldgrill
**Schlagzeug:**
* Joris Dudli
* Wolfgang Reisinger
* Alex Deutsch
**Gesang:**
* Sandra Pires
* Simone Kopmajer
* Verena Stelzer
Diese Liste zeigt die erstaunliche Dichte und Qualität des österreichischen Jazz. Von Kleinschuster als einem der großen Bandleader und Pädagogen bis hin zu internationalen Stars wie Zawinul und den Muthspiel-Brüdern hat Österreich eine einzigartige und kraftvolle Stimme in der Welt des Jazz.
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- Hauptkategorie: Musikgeschichte österreich
Karl "Bumi" Fian
Eine Schlüsselfigur des österreichischen Jazz
Einleitung und Überblick
Karl "Bumi" Fian gilt als eine der prägendsten Persönlichkeiten der österreichischen Jazzgeschichte. Als virtuoser Gitarrist und Gründer des legendären "Wiener Hot Club" legte er in der Nachkriegszeit den Grundstein für die moderne Jazzszene in Österreich. Sein musikalisches Wirken erstreckte sich über mehr als fünf Jahrzehnte, in denen er nicht nur als Musiker, sondern auch als Förderer junger Talente und lebendiges Jazz-Archiv wirkte.
Fian war bekannt für seine technische Perfektion, sein tiefes Verständnis der Jazz-Tradition und seine Fähigkeit, den Geist des Swing und Gypsy Jazz authentisch zu vermitteln. Sein Künstlername "Bumi" wurde zu einem Synonym für Qualitätsjazz in Österreich.
Biografie und Geschichte
Gründungsjahr und Herkunft
Karl Fian wurde am 15. März 1928 in Wien geboren. Seine musikalische Laufbahn begann er als Bassist, wechselte aber bald zur Gitarre, nachdem er die Musik von Django Reinhardt entdeckt hatte. In den späten 1940er Jahren gründete er den "Wiener Hot Club", der sich schnell zum Zentrum der Wiener Jazzszene entwickelte.
Musikalische Entwicklung
In den 1950er Jahren etablierte sich Fian als führender Gitarrist der österreichischen Szene. Er spielte mit internationalen Stars wie Fatty George und Hans Koller und wurde zu einer festen Größe im Wiener Jazzleben. Sein Stil war stark vom Gypsy Jazz Django Reinhardts beeinflusst, den er mit österreichischer Musikalität verband.
Musikstil und Einflüsse
Stilistische Ausrichtung
Fians Musik war fest in der Tradition des Swing und Gypsy Jazz verwurzelt. Sein Spiel zeichnete sich durch:
- Virtuose Technik und saubere Artikulation
- Authentische Interpretation des Django-Reinhardt-Erbes
- Swingende Rhythmik mit österreichischem Einschlag
- Improvisatorische Kreativität innerhalb traditioneller Formschemata
Haupteinflüsse
- Django Reinhardt (Gründer des Gypsy Jazz)
- Stéphane Grappelli (Jazzviolinist)
- Die gesamte Swing-Ära der 1930er und 1940er Jahre
- Wiener Musikkultur und Schrammelmusik
Diskografie (Auswahl)
- "Wiener Hot Club" (1960) - Erstaufnahmen mit seiner berühmten Formation
- "Swinging Vienna" (1965) - Eine Hommage an den Wiener Jazz
- "Bumi's Best" (1972) - Kompilation seiner wichtigsten Aufnahmen
- "Live at Jazzland" (1980) - Mitschnitt eines legendären Konzerts
- "A Tribute to Django" (1985) - Würdigung seines größten Einflusses
- "Jazz Legacy" (1995) - Späte Aufnahmen mit jungen Musikern
Kollaborationen
- Fatty George und seine Combos
- Hans Salomon
- Ötschi Auer
- Verschiedene Formationen des Wiener Hot Club
Bandmitglieder und Besetzung
Wiener Hot Club (klassische Besetzung)
- Karl "Bumi" Fian - Gitarre
- Hans "Hansi" Malissa - Bass
- Karl "Karlo" Fian Jr. - Zweite Gitarre (in späteren Formationen)
- Wechselnde Gastmusiker an Violine, Klarinette und Akkordeon
Regelmäßige musikalische Partner
- Hans Salomon (Saxophon, Klarinette)
- Ötschi Auer (Schlagzeug)
- Rudolf Hansen (Bass)
- Joe Zawinul (in frühen Jahren)
Live-Auftritte und Tourneen
Fian und seine Formationen waren regelmäßig in den bekannten Wiener Jazzclubs zu hören:
- Jazzkeller "Moulin Rouge"
- "Café Weimar"
- "Volksgarten"
- "Jazzland"
Tourneen
Obwohl Fian primär in Wien und Österreich aktiv war, gab es auch internationale Auftritte:
- Regelmäßige Konzerte in Deutschland und der Schweiz
- Teilnahme am "Jazz Festival Vienna"
- Auftritte bei Django-Reinhardt-Gedenkkonzerten in Frankreich
Festivalteilnahmen
- Wiener Jazzfestival (mehrfach)
- Jazzfest Wien
- Django Reinhardt Festival (Frankreich)
Auszeichnungen und Erfolge
- "Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich" (1985) für seine Verdienste um den Jazz
- "Wiener Jazzpreis" (1992) für sein Lebenswerk
- Ehrenmitgliedschaft im "Austrian Jazz Federation"
- Mehrere Einträge in Jazz-Enzyklopädien und Fachpublikationen
Kulturelle Bedeutung
Fian wird zugeschrieben:
- Den Gypsy Jazz in Österreich etabliert zu haben
- Eine Brücke zwischen europäischer und amerikanischer Jazz-Tradition gebaut zu haben
- Generationen von Musikern inspiriert und gefördert zu haben
- Den Wiener Hot Club als Institution des österreichischen Jazz etabliert zu haben
Aussagen und Zitate
Trivia und interessante Fakten
- Fian erhielt seinen Spitznamen "Bumi" von einem Freund, der ihn nach einer afrikanischen Figur aus einer damals populären Geschichte benannte
- Er begann seine musikalische Laufbahn als Bassist in einer Tanzkapelle
- Fian unterrichtete zahlreiche junge Gitarristen, von denen viele später bekannte Jazzmusiker wurden
- Seine Gitarre war eine speziell angefertigte Selmer-Kopie, die an Django Reinhardts Instrument angelehnt war
- Fian spielte bis ins hohe Alter regelmäßig Konzerte
- Er galt als wandelndes Jazz-Archiv mit umfangreichem Wissen über die Geschichte des Jazz in Österreich
Medien und Links
Hier finden Sie weiterführende Informationen, Aufnahmen und aktuelle Inhalte zu Karl "Bumi" Fian:
Diskographie und Werke im Überblick
Für eine vollständige Diskographie empfehlen wir die Suche in spezialisierten Jazz-Archiven und Musikdatenbanken, da viele Aufnahmen aus der Frühzeit des österreichischen Jazz heute schwer zugänglich sind.

